Lange Nacht der Demokratie mit spannenden Einblicken in die Welt der Nachrichten

Wie erkennen wir Falschinformationen? Dieses Thema prägt nicht nur die aktuelle Medienlandschaft, sondern auch die dritte „Lange Nacht der Demokratie“ im Foyer des Kulturzentrums Altes Forstamt. Und dieser Fokus traf einen Nerv: Jugendliche verfolgten die informativen Beiträge ebenso wie Vertreter der Babyboomer-Generation und Senioren.

Bürgermeisterin Susen Katter fragte sich einleitend, ob AfD-Wähler den Glauben an die Demokratie verloren hätten oder diese für viele einfach selbstverständlich sei. Die Politik trage die Verantwortung, müsse Entscheidungen treffen, erklären und dafür einstehen. Aber auch jeder Einzelne sei gefordert. Demokratie zu leben, sei mehr als zu wählen. Man müsse sich informieren, prüfen, diskutieren, brauche Zugang zu Bildung und verlässliche Informationen. Zu erkennen, was wahr und unwahr ist, werde in der sich verändernden Medienlandschaft immer komplexer. Ihr Dank galt den Mitwirkenden des Abends. Sie ermutigte alle, sich weiterhin für die Demokratie einzusetzen.

Ein Abend rund Fake News

Fake News sind gefälschte Nachrichten, die auf den ersten Blick echt wirken. Unter dem Titel „Stimmt das?“ war das Programm in drei Blöcke aufgeteilt. Zur Fragestellung „Was glauben wir?“ präsentierte der Verein Demokratisch – Raum Stockach mit Mark Bottke einen ausgewiesenen Experten. Er machte deutlich, dass Stimmen, Videos und Fotos längst keine Garanten mehr für die Glaubwürdigkeit einer Nachricht sind und zeigte, wie Beiträge im Internet dank künstlicher Intelligenz (KI) Wahrheit vorgaukeln können. „Je stärker etwas aufregt, desto wichtiger ist, es nicht reflexartig zu glauben“, so sein Tipp. Man sollte möglichst viele Quellen vergleichen und sich immer fragen, ob diese Nachricht so stimmen könne. KI sei ein tolles Arbeitsmittel, aber man müsse wissen, was sie tue. Den älteren Besuchern riet er, darüber mit den Kindern oder Enkeln zu sprechen und von ihnen zu lernen.

SÜDKURIER-Redakteur Johannes Bruggaier widmete sich der Frage: „Wem glauben wir?“ Er erläuterte an einigen Beispielen aus dem Internet und der Zeitung anschaulich, wie seriöse Pressearbeit funktioniert und was der Grundsatz der journalistischen Sorgfaltspflicht beinhaltet. Man brauche beispielsweise mindestens zwei Quellen, müsse Meinung und Fakten ebenso trennen wie redaktionelle Inhalte und Anzeigen sowie die öffentliche Relevanz gegenüber dem Schutz der Persönlichkeitsrechte abwägen. Dennoch könne es nie eine hundertprozentige Sicherheit geben.

Vertrauen in Mitmenschen bewahren

Der evangelische Pfarrer Ulf Weber sorgte sich um den zwischenmenschlichen Umgang. „Aus der notwendigen kritischen Haltung zu Informationen wird eine kritische Haltung gegenüber Menschen. Wenn aber der Vertrauensvorschuss kleiner wird, wächst die Distanz.“ Er rief dazu auf, aufmerksam zu sein, genau hinzuschauen, aber dabei nicht zu verlernen, anderen Menschen zu vertrauen – und darauf zu achten, dass das eigene Wort verlässlich bleibt.

Im dritten Block sprach Julian Windmöller, Leiter des Stadtmuseums und Stadtarchivs, über „Infizierte Wahrheit“. Er nutzte dafür die Berichterstattung über die Krankheit AIDS und erklärte, wie und wo in den 1980er Jahren nachweislich Artikel dazu entstanden sind. Zur Verifizierung einer Nachricht benötige man oft sogar deutlich mehr als zwei Quellen. Sein Hinweis: „Wahrheit entwickelt sich. Die Suche nach Fakten beginnt mit einer These, die überprüft werden muss.“ Eine Verschwörungstheorie sei ein statisches Konstrukt, bei dem keine Weiterentwicklung stattfinde.

Auch die Autorin Christa Ludwig engagierte sich. Neben der KI müsse man vor allem auf die „I“, die eigene Intelligenz, setzen. Man brauche die Fähigkeit, zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden, doch ohne eine Schulpflicht für alle, wie es die AfD wolle, könne Bildung nicht garantiert werden. Dadurch entstehe ein „Einfallstor für Fake News“. Sie sprach vom Sog der Gruppendynamik. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe wiege bei vielen Menschen höher als die eigene Meinung. So ließen sie sich täuschen. Abschließend mahnte sie eindringlich: „Wir haben die Demokratie noch und sollten uns mit aller Kraft für sie einsetzen.“

Felix Schulz, Leoni Bachmann und Philipp Olivirov (von links) stellten ihr Modell eines Inklusionsparks vor. Zwei weitere Modelle zeigten ebenfalls gut durchdachte Vorschläge.Foto: Claudia Ladwig

Text: Claudia Ladwig

Quelle: Südkurier – externer Link